Montag, 21. September 2015 um 06:33

 

Gesundheitliches Potential

Auf die Frage, was sich jemand speziell vom Bogenschießen verspricht oder erwartet, ist die häufigste Antwort: Konzentration. Das Bild eines Bogenschützen in Aktion ist für viele Menschen gleichbedeutend mit Konzentration, Kraft und Meditation. Dennoch lohnt es sich, hier einmal kritisch inne­zuhalten. Denn Konzentration wird oft verstan­den als Körperbeherrschung. Der Bogenschütze muss mehrere Faktoren wie Kraft, Konzentration, körperliche Beweglichkeit und Ausdauer zu einem „Gesamtergebnis" (der perfekte Schuss) zusammenfügen:

- Der aufrechte, sichere und doch ruhig stabi­le Stand kräftigt die Rückenmuskeln und sta­bilisiert die Wirbelsäule. So verbessern sich manche Rücken-, sowie Schulter- und Nacken­schmerzen.

- Der harmonische und fließende Bewegungs­ablauf führt zu einem wohltuenden und guten Körpergefühl und verbessert leichtere Koordina­tionsstörungen.

- Im Gleichklang mit der angenehm kraftvol­len Bewegung stabilisiert sich ein sanfter und gleichmäßiger Atemrhythmus, der oft hilfreich bei Atemproblemen ist.

- Die Ruhe und das fast unmerkliche Loslassen der Finger an der Sehne und das freie Fliegen des Pfeils bewirken eine Entspannung, die als Beruhigung von Herz, Kreislauf und Geist spür­bar wird.

Daneben sind Ausdauer, innere Ruhe und Aus­geglichenheit günstig für die Ausübung - aber auch angenehme Effekte dieser Sportart. Nicht zuletzt wegen der in der Regel abge­schiedenen Lage der Bogenplätze bilden diese geradezu Oasen der Erholung vom Stress und Alltagslärm. Neben der körperlichen Belastung erfordert der Bogensport auch eine Notwendig­keit zu mentalen Übungen. Nur ein ruhiger, entspannter und konzentrierter Geist ist zu guten Leistungen fähig. Schon der Anfänger lernt schnell, dass nicht Wille und Ehr­geiz zu einem guten Trefferbild führen, sondern Konzentration, Gelassenheit und beständiges Üben mit korrekter Technik.

Beim perfekten Schuss aber wird man oft durch eine besondere Magie belohnt:

Alles stimmt

... der Stand ... die Spannung ... das Gefühl und man spürt es, - nein, man weiß es einfach: noch bevor man den Pfeil ablässt, weiß man, dass er trifft. Man hat schon getroffen, bevor man geschossen hat! Der Pfeil löst und man sieht ihn fliegen auf dem Weg zum Ziel... - und er trifft -genau ins Zentrum.

Bogenschiessen für Menschen mit Handicap

Bogenschießen ist eine weltweit verbreitete Sportart mit immer mehr Aktiven bis hin zum Leistungsport. Im Rollstuhlsport zählt sie zu den ersten sportlichen Betätigungen, die im Rahmen der medizinischen und gesellschaftli­chen Rehabilitation eingeführt wurden. Für den Querschnittgelähmten ist diese Sport­art geradezu wie geschaffen. Das Spannen und Ausziehen des Bogens (egal welche Disziplin er schießt) ermöglicht die Wiederge­winnung und Erhaltung von Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Willensstärke. Das Streben nach Präzision und Konstanz aktiviert seine körperlichen Funktionen. Erfah­rung von Erfolg, von Leistungsschwankungen und Niederlagen fördern Selbstbeherrschung und Gelassenheit.Bogenschießen fördert das Konzentrations­vermögen, die Verbesserung der Sitzbalance im Rollstuhl und die Kräftigung der Rücken-, Brust- und Schultermuskulatur.Menschen mit Behinderung können sich ohne Regeländerungen mit nichtbehinderten Schüt­zen messen.